Rezension: Der Schwarm (Frank Schätzing) - Rezensent: schuhbaerd - Experiment Stille *Die Gabriel Burns Hörspielseite*
0
0
0
0
pop.de Hörspiel-Jury Burner & Luschen
Der Leere Raum Rezensionen Hörspiel-Quiz
Experiment Stille Datenbank / Forum durchsuchen
Forenübersicht » Rezensionen » Der Schwarm

Rezensent
Rezension
schuhbaerd ist offline schuhbaerd  
1030 Beiträge - Psychokinet


Dabei seit: 08.10.2007
17 Punkte

Rat das Zitat! - Höchstpunktzahl erreicht

Das ultimative GB-Quiz! - Höchstpunktzahl erreicht

Status des Users
Das Burns-O-Meter zeigt den Grad der Fahlheit an
57 Grad Fahlheit



Weitere Rezensionen des Users (Auswahl)

Der Schwarm




Dies ist nun schon die zweite Rezension auf Experiment Stille über Frank Schätzings "Schwarm", wenn man den einen "Burner" dazurechnet, die... zweieinhalbte? Könnte man das so sagen? Ich tu es einfach, also die zweieinhalbte Rezi über dieses Hörspiel. Tut es also not, die noch zu schreiben? Ich sage einfach mal Ja, denn meine Sicht der Dinge ist eben doch eine geringfügig andere.

Der Plot ist recht kompliziert zu erklären, da die Geschichte schon etwas verstrickt ist. Das Buch ist etwa tausend Seiten lang, das Hörspiel dauert über zwölf Stunden und erzählt noch dazu mehrere Handlungsstränge. Ich versuchs mal:
Auf der ganzen Welt beginnen Meerestiere verschiedenster Art, sich sehr merkwürdig zu verhalten. Wale greifen Touristen an, die sie fotografieren wollen, Eiswürmer lösen in der Nordsee einen Tsunami aus, weil niemand sie fotografieren will und hinter all dem steckt irgendeine sehr geheimnisvolle Macht, die bitte nicht fotografiert werden will, dankeschön. Ein norwegischer Biologe, ein inuitstämmiger kanadischer Touristenführer, eine britische Journalistin, eine amerikanische Generälin mit asiatischen Wurzeln sowie diverse andere Charaktere treffen also zusammen, um die Welt zu retten. Das Hörspiel wurde 2004 produziert, also müssen sie es wohl geschafft haben.

So viel zur Handlung, nun zur Inszenierung. Bei solch langen Produktionen hat man als (Möchtegern-)Kritiker immer ein Problem: wenn man dieselben kleinen Macken und Mäckchen kritisiert, die man auch bei einem Ein-CD-Hörspiel bemäkelt, dann gilt man gleich als Pedant und Meckerfritze, denn an sich, heißt es, sei es doch eine recht solide Produktion. Ja, das kann und will und tu ich nicht bestreiten, aber trotzdem stört es den geneigten Hörer doch ein wenig. Den aufrecht stehenden übrigens auch. Das wollte ich nur anmerken, verzeiht mir also bitte mein Gemotze.

Da ist zunächst mal der Erzähler. Wenn dieses Hörspiel eine Straßenkarte ist, dann ist Mafred Zapatka, der Erzähler, eine Autobahn. Er hat uneingeschränkte Vorfahrt vor allem, die komplette Geräuschkulisse wird ausgebelendet, die Musik auf ein Minimum heruntergefahren, da ist nur seine Stimme. Und als ein versierter Sprecher liest er seine Erzählerparts am Stück durch, ohne sich zu versprechen. Das klingt zwar rund, nur schluckt er dabei leider kein einziges Mal. Seine Aussprache wird also immer feuchter und feuchter und er nuschelt mit vollem Mund vor sich hin, als wäre ihm der Tsunami selbst zwischen die Kiefer geplätschert - herrje!

Das kann aber auch einfach daran liegen, dass Zapatka über weite Teile dieses Hörspiel allein gestaltet. Es beginnt allein mit einem reichlich langen Monolog über die Schönheit Trondheims - tut das denn not? Hier hat Frank Schätzing aus meiner Sicht als Bearbeiter versagt. "Ich musste mein Buch auf ein knappes Viertel runterkürzen!" schreibt er im Produktionstagebuch, was auszugsweise im Booklet abgedruckt ist - lieber Frank: Fang bei den Beschreibungen an mit dem Kürzen. Dann werden aus den tausend Seiten locker fünfhundert. Und Manfred Zapatkas Speichelfluss hält sich dann auch in Grenzen.

Diese langen Erzählpassagen bremsen übrigens durch ihre monologartige Struktur den Fluss des Hörspiels stark aus. In einigen Szenen sind sie ein echter Spannungstöter, wie etwa in der Szene, wo ein Buckelwal ein kleines Ausflugsboot angreift. Mit einer opulenten Geräuschkulisse, dramatischer Musik und guten Schauspielern kann man da so viel draus machen. Das Regieduo Schätzing und Wesselburg ersetzt diese Passage durch einen Monolog des Erzählers. Besten Dank, dann kann man da auch gleich ein Hörbuch draus machen.

Wo wir gerade beim Erzähler sind: Wieso fungiert auch Samantha Crowe stellenweise als Erzählerin, wo es doch einen Erzähler gibt? Ich frage mich wirklich, inwieweit das sinnvoll ist. Das Argument, dass Crowe sich selbst die Erzählerin mimen soll, zieht nicht, denn auf der anderen Seite gibt es wiederum Passagen, da der Erzähler Zapatka Crowes Abenteuer begleitet. Wozu also das Ganze?
Und überhaupt hätte ich es gar nicht schlecht gefunden, für diese mehreren parallel verlaufenden Handlungsstränge auch mehrere Erzähler bereitzustellen. Einen für Sigur Johanson, einen für Leon Anawak, einen für General Li und so weiter. In "Otherland", finde ich, wurde das sehr gut gelöst, ebenso auch in den Hörspielen von Val McDermid. Hier hingegen wird nur Manfred Zapatka eingesetzt, dessen Stimme einem auch irgendwann nach dem x-ten Monolog zu viel im Ohr wird. Und dann eben manchmal noch Mechthild Großmann als Samantha Crowe.

Und da wären wir auch bei den Sprechern. Da kann ich Miesepeter nichts gegen sagen, die Sprecher sind 1A mit Sternchen. Joachim Kerzel als leicht versnobter, aber dennoch irgendwie stilvoller Biologe ist nett anzuhören, ebenso auch Stefan Gebelhoff als freundlicher, aber schweigsamer Leon Anawak wie auch Thomas Balou Martin als grobschlächtiger Jack Greywolf. Mein Favorit ist die stimmegewordene Knochensäge Frauke Poolman, deren Interpretation von Judith Li dem bebenden Junghörer Schuhbi den Angstschweiß in den Schlüpper treibt. Sie leistet wirklich hervorragende Leistung. Auch Frank Schätzing selbst gefällt mir als selbstgefälliger fetter Sack Jack Vanderbilt recht gut. Die übrigen Sprecher, darunter Ulrike C. Tscharre, Sabina Valkieser, Ralph Morgenstern, Klaus Nierhoff und Volker Risch gehen darin leider etwas unter, machen ihre Jobs aber trotzdem nicht schlecht.

Was ich mich aber noch frage: Warum sprechen Gerhard Bohrmann (im Booklet auch noch falsch gechrieben!) und Heiko Sahling sich eigentlich nicht selbst? Die beiden sind immerhin reale Menschen, Wissenschaftler der Uni Bremen, die Frank Schätzing seinerzeit bei seinen Recherchen am Institut für Meereskunde (IFM-GEOMAR) in Kiel behilflich waren und die daraufhin aus Dankbarkeit in die Geschichte eingeflochten wurden - da könnten sie sich doch genauso gut auch selbst spielen, oder? (Sollte es da tatsächlich eine Anfrage von Seiten Schätzings gegeben haben und die beiden Herren es abgelehnt haben, will ich nichts gesagt haben). Das soll aber nicht unbedingt negativ sein, das ist nur eine Frage von mir.

Die Musik, mit der das Hörspiel unterlegt ist, gefällt mir ganz gut. Bis auf, dass das "Vancouver Island"-Thema mit Uillean Pipes, dem irischen Dudelsack-Pendant, besetzt ist und darum für mich doch eher nach Irland klingt als nach Kanada. Da die Hauptfigur dieses Handlungsstrangs ein Inuk ist, hätte ich inuit-traditionelle Ayayait-Gesänge passender gefunden. Leider gibt es auch weder ein musikalisches Hauptthema noch eine eingängige Titelmusik. Gut, mag man anmerken, das ist auch eher was für Serien. Trotzdem mag ich es, wenn ein Hörspiel mit einer netten Intromusik beginnt, die am besten auch gleich das musikalische Thema darstellt. Und das geht auch bei Einzelhörspielen (schön gemacht z.B. bei "Die Rückkehr des Tanzlehrers", "Der Fall Greenfield" oder "Es war einmal ein Spion"). So aber ist die Musik nur eine dezente Untermalung der jeweiligen Szenen und eher eine Begleiterscheinung. Zwar ist sie durchaus angenehm zu hören und wirklich schön, aber das bemerkt man eben kaum.

Die sonstige Soundkulisse setzt sich aus real klingenden Geräuschen zusammen, es wurde sogar mit einem professionellen Geräuschemacher gearbeitet. Die Türen, die in diesem Hörspiel zufallen, sind definitiv nicht aus der Konserve. An den Geräuschen kann ich bestenfalls kritisieren, dass sie ausgeschaltet werden, sobald der Erzähler spricht, und das habe ich schon getan, also spare ich mir das. Für die Geräusche gibt es ein dickes Plus von mir.

Halten wir also fest: die Story ist großartig, daran kann und will und tu ich nichts bemängeln. Frank Schätzing ist ein großartiger Schriftsteller. Leider ist er als Bearbeiter und Regisseur nicht ganz so großartig, hier wurde manchmal an den falschen Stellen gekürzt, dafür an den richtigen teilweise nicht. Als Schauspieler leistet er dafür zusammen mit seinen anderen Kollegen Großartiges, am besten gefällt mir Frauke Poolman. Der Erzähler ist viel zu dominant und redet viel zu viel, dass dazu Musik und Geräusche abgeschaltet bzw. heruntergefahtren werden, sagt mir ebenfalls überhauppt nicht zu. An sich ist die Musik zwar gut, aber etwas zu dezent und die Geräusche dürften auch gern etwas üppiger sein. Gerade der Tsunami.

Fazit: Der Schwarm ist nicht die Neuerfindung des Rades. Von der Story her top, von der Produktion her aber bestenfalls solides Mittelmaß. Reißt als Hörspiel nichts, was nicht auch das Buch gerissen hätte. Hört sich aber trotzdem angenehm.


Daten zum Hörspiel:

Artikelnummer/Bestellnummer: ISBN 978-3-8994-0821-8
Herausgeber/Produzent: Der Hörverlag
Homepage: http://www.hoerverlag.de
Genre: Fantasy, Science-Fiction

Anzahl der Aufrufe dieser Rezension: 2008


Dieses Hörspiel kann zum Beispiel erworben werden bei:

pop.de

Beitrag vom 07.04.2011 - 01:51
nach weiteren Posts von schuhbaerd suchen schuhbaerd`s Profil ansehen schuhbaerd eine E-Mail senden schuhbaerd eine Kurznachricht senden schuhbaerd zu deinen Freunden hinzufügen zum Anfang der Seite
 

Gehe zu:  
Hörspielbewertung: MURDER DOCUMENTS (1)
Hörspielburner
Hörspielbewertung: DIE HEXERIN (3)
Hörspiellusche
Burner und Luschen

Zum Archiv

Burner & Luschen: Informationen

Neuen Eintrag vorschlagen
Hörspiel-Jury

Abonnieren: Der Hörspiel-Jury Podcast - präsentiert von www.experiment-stille.de

Hörspiel-Jury Informationen

Die Hörspiel-Jury Juroren
Hörspiel-Jury: Hydrophobia
Volume 65
Aktuelle Folge abspielen
Aktuelle Rezension
Statistik anzeigen aktive Themen der letzten 24 Stunden - Top-User

Es ist / sind gerade 5 registrierte(r) Benutzer online. Neuester Benutzer: Shakespeare
Registrierte Benutzer online: Evil, Calliope, Ammonit, rinoa, Rick Future
Alles gute zum Geburtstag   Wir gratulieren ganz herzlich zum Geburtstag:
schwarzeMuse (32), SichtWechsel (28), belphegor (34), Tweezle (34), Liming Man (35)
0