Rezension: Road to Hell - Rezensent: Jay - Experiment Stille *Die Gabriel Burns Hörspielseite*
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Road to Hell




"Bleibt die Frage, warum Sie dann auf der Flucht sind!"


Douglas Winterferry ist Buchhalter und lebt mit seiner Frau Betsy in der Stadt Flagstaff in Arizona ein beschauliches und unauffälliges Leben ohne jegliches unvorhersehbares Ereignis.

Sein Leben gerät aus den Fugen, als sein Chef ihm eine böse Sache anhängt: sein Chef hat die Firmenbücher frisiert, eine Spur zu Douglas Winterferry gelegt und morgen steht der Prüfer vor der Tür. Seinem Chef steht das Wasser bis zum Hals und wählt daher als Ausweg den Selbstmord mit einem Revolver, was zunächst wie ein Mord durch Douglas Winterferry aussieht.

Doug flieht mit einigem Geld seines Chefs und macht sich auf einen wahrhaften Höllentrip.


Der weitere Verlauf der Story ist jedoch in weiten Teilen genauso sehr voraussehbar wie das bisherige beschauliche Leben von Douglas Winterferry und lässt kaum Platz für Überraschungen, so dass es auf die unvermeidliche Katastrophe hinausläuft.

Leider sorgt das Verhalten von Doug bei mir dafür, dass ich regelmäßig kopfschüttelnd die CD ausgestellt habe, weil mir soviel Dummheit und unsinniges Verhalten konzentriert in einer Person zum Glück nicht regelmäßig in einem Hörspiel geboten wird. Wahrhaftiger Hörspaß macht sich dadurch nicht wirklich bei mir breit.

Außerdem drängte sich mir laufend die folgende Frage auf, die dann auch zum Glück mal im Hörspiel tatsächlich an Doug gerichtet wird:

"Bleibt die Frage, warum Sie dann auf der Flucht sind!"

Genau diese Frage resultiert aus dem unsinnigen Verhalten von Douglas, welches seit dem Moment des Selbstmordes seines Chefs ohne Pause im Hörspiel dargeboten wird. Die Antwort von Doug auf diese Frage ließ jedoch bei mir auch keine "Zufriedenheit" aufkommen, mit der ich dann den weiteren Verlauf der Geschichte und das Handeln von Doug konsequent begründen könnte, so dass mein Hörspaß dadurch dauerhaft getrübt war.


Das Artwork der CD ist gelungen. Das Titelcover ziert ein schiefes amerikanisches Straßenschild. Die CD selbst hat eine Schallplattenoptik (inkl. schwarzer CD), welches die amerikanische "Straßen- und Dineratmosphäre" unterstreicht.

Dirk Hardegen macht als Sprecher (und gleichzeitiger Erzähler) grundsätzlich einen guten Eindruck, jedoch lässt er im Verlauf des Hörspiels zu wenig in seiner Stimmlage durchblicken, dass Doug immer mehr in eine Katastrophe schlittert. Im Gegenteil: der Erzählerpart wird "fröhlich und beschwingt" vorgetragen, obwohl mittlerweile Doug verletzt ist, sein Geld verschwunden ist und insgesamt die Situation bestenfalls das Prädikat "auswegslos" erhält. Die weiteren Sprecher machen ihre Sache grundsätzlich gut. Als besonderer Darsteller sei an dieser Stelle Konrad Halver noch erwähnt, der eine kleine Rolle im Hörspiel erhalten hat.

Musikalisch weiß die Produktion um die westamerikanische Stimmung des Gefühls der endlosen Straße zu überzeugen. Ein "Route 66-Feeling" lässt sich hier durchaus erkennen, was mich positiv bei diesem Hörspiel gestimmt hat.

Anmerken möchte ich an dieser Stelle noch zwei Punkte, über die ich beim Hören gestolpert bin:

Zum einen ist ein 1.000 Dollar Schein schon seit 1945 nicht mehr gedruckt worden und seit 1969 nicht mehr im Umlauf. Die Teilnehmer der Pokerrunde dürften also nicht über den Geldbetrag sondern eigentlich viel mehr über das bloße Vorhandensein eines 1.000 Dollar Scheins erstaunt gewesen sein.

Zum anderen spielt der Drehbuchautor mit den für Europäer untypsichen weiten Entfernungen, als ob Doug mal eben von München nach Stuttgart fährt, nur dass es im Hörspiel innerhalb von 15 Minuten 2000 Meilen quer durch die USA geht.

Hier wünsche ich mir mehr Recherchen des Drehbuchschreibers, damit man als Hörer über solche Dinge nicht stolpert.

Fazit: "Road to Hell" ist ein Hörspiel, welches sicherlich nicht auf meiner Liste der Hörspiele steht, die man unbedingt auf eine einsame Insel zum Überleben mitnehmen sollte. Wer jedoch mal aus dem alltäglichen Vampir-, Zombie- und KommissarXY-Einerlei ausbrechen möchte, darf mal ein Ohr riskieren und den Ohrenkneifer in das selbige lassen.


Daten zum Hörspiel:

Artikelnummer/Bestellnummer: ISBN 3-86212-007-9
Herausgeber/Produzent: Ohrenkneifer / Pop.de
Homepage: http://www.ohrenkneifer.info
Genre: Spannung / Thriller

Anzahl der Aufrufe dieser Rezension: 3764


Dieses Hörspiel kann zum Beispiel erworben werden bei:

pop.de

Beitrag vom 06.04.2010 - 23:43
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