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  Das Flüstern der Ozeane
Member-Zone Das Flüstern der Ozeane
31.01.2006 von myxin











Das Flüstern der Ozeane
von DerLauscher



Man vermutet schon lange, dass die Tiefsee noch unbekanntes Leben verbirgt.
Aber warum sind diese Wascos dem Giganten gefolgt?
Weil sie dem Lockruf des Riesen kennen, seit sie auf diese Welt kamen.

(aus "Experiment Stille")





SOSUS: Unser Ohr im Ozean

Die Idee einer großflächigen und ständigen Überwachung der Meere ist wahrscheinlich so alt wie die militärische Nutzung von Unterseebooten. Bereits in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts begann das US-Militär, Konzepte für ein Spionagesystem im Nordatlantik zu entwickeln. Im Jahre 1949 wurde, angesichts des sich abzeichnenden Ost-West Konflikts, das Projekt SOSUS (Sound SUrveillance System) vom Comitee for Undersea Warfare begonnen und bis zum Jahre 1954 sukzessive ausgebaut.

Eine SOSUS-Station besteht aus mehreren, auf dem Meeresgrund angebrachten Hydrophone. Diese sind mittels Unterwasserkabel mit einer Station an Land verbunden, wo die eingehenden Daten analysiert werden. Die Bojen sind vornehmlich auf Kontinentalhängen oder Unterwasserbergen installiert, damit sie möglichst ungestört auf große Reichweite lauschen können.

Nach der letzten Ausbaustufe umfasste die Anlage rund 1000 Mikrophone (Hydrophone) und schätzungsweise 50.000 Kilometer Unterseekabel. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges decodierten täglich 2700 Techniker die empfangenen Informationen. Bei der schieren Größe des Projekts und der hohen Zahl an Mitarbeitern vermag es nicht zu verwundern, dass sich das Erstaunen der Öffentlichkeit bei der offiziellen Bestätigung von SOSUS im Jahre 1991 in Grenzen hielt.

Zu dieser Zeit hatte SOSUS seinen militärischen Wert weitgehend eingebüßt und es begann die zivile Nutzung des Systems im Dienste der Forschung. Heute liefert SOSUS Daten zur Erforschung der großen Meeressäuger, über Unterwasservulkanismus und seismische Ereignisse in den Tiefen der Ozeane.






Schematische Darstellung der Funktionsweise von SOSUS





Ihnen galt zunächst das Interesse





Die ersten SOSUS-Stationen (grün 1. Phase; rot 2. Phase)





Das Rauschen der Meere

Der Ozean ist voller Klänge. Ebbe und Flut, Stürme und unterirdische Seebeben sorgen für eine beeindruckende natürliche Geräuschkulisse. Dazu gesellt sich der Lärm der Schifffahrt, der Off-Shore-Industrie und des Militärs.

Wasser ist ein hervorragender Überträger von Schallwellen. Im nassen Element ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalls um den Faktor 4,3 höher als in der Luft. Wale und Delphine nutzen bekanntermaßen diese Eigenschaften des Wassers um sich über Kilometer hinweg zu verständigen.

Den Großteil unseres Wissens über die Tiefsee verdanken wir nicht einer handvoll kostspieliger und spektakulärer Missionen mit Tauchrobotern, sondern der beständigen Überwachung der Ozeane mit einer Vielzahl von Hydrophonen. Während letzteres peu à peu Rückschlüsse über die Lage von Unterwasservulkanen, der unterschiedlichen Dichte der Meeresströmungen und der Struktur des Meeresbodens erlaubt, sind die Missionen mit Tauchrobotern nicht mehr als Stichproben. Trotzdem entnehmen wir, als visuelle Tiere, unsere Vorstellung über die Tiefsee jenen Filmaufnahmen, die doch nur einen winzig kleinen Ausschnitt zeigen.

Man stelle sich eine außerirdische Zivilisation vor, die sich entschließt mit drei kleinen Sonden die Erde zu erkunden. Eine Sonde landet in der Wüste Gobi, die Zweite in der Antarktis, die Dritte erreicht mit New York eine große Metropole der menschlichen Spezies, landet aber bedauerlicherweise mitten im Centralpark. Was würden die Außerirdischen über unseren Planeten denken? Staub, Eis, Ödnis. Ach ja und ein bissel unbedeutendes pflanzliches Leben. "Hier ist tote Hose, Jungs. Wir ziehen Leine".

Hätten unsere Außerirdischen auf die Radiowellen geachtet, die unser Planet stetig in den Weltraum sendet, anstatt sich nur auf ihre Augen zu verlassen, wäre ihre kleine Stippvisite sicherlich interessanter verlaufen.




Natürlich sind die meisten Geräusche aus der Tiefe durch die Wissenschaft entschlüsselt worden. Einige jedoch bereiten bis heute Kopfzerbrechen. Niemand kann erklären, wie diese geheimnisvollen Klänge entstehen:


BLOOP

Dieses geheimnisvolle Geräusch haben Forscher mehrmals im Sommer 1997 aufgenommen. Die Frequenz steigt mehrmals stark an und wurde von mehreren Mikrofonen über 5000 Kilometer Entfernung aufgenommen. Es stammt aus dem Südpazifik, rund 1500 Kilometer von der Südspitze Chiles entfernt.

"Bloop hören"


JULIA

Dieses Geräusch hört hat angeblich Ähnlichkeit mit dem Seufzen eines Walrosses, aber niemand weiß was es wirklich ist. Es wurde am 1. März 1999 im peruanischen Becken im südlichen Pazifik aufgenommen. Mit etwas Fantasie lässt sich der Name "Julia" erkennen.

"Julia hören"



TRAIN

Was die Forscher am 5. März 1997 auf ihren Aufzeichnungsgeräten hörten, klingt wie die Pfeife eines Untersee-Zuges. Sie nannten es deshalb "train".

"Train hören"



SLOWDOWN

Ein Geräusch, dessen Frequenz über 7 Minuten ständig abnimmt. Drei Sensoren im Abstand von 2.000 Kilometern konnten es am 19. Mai 1977 hören. Davor und danach wurde es nie wieder gehört. Es stammt aus dem südlichen Pazifik, rund 1.100 Kilometer südwestlich der Galapagos Inseln.

"Slowdown hören"



UPSWEEP

Eines der ältesten und geheimnisvollsten Geräusche, das die Wissenschaftler seit Beginn der zivilen Aufzeichnungen im August 1991 immer wieder begleitet. Es klingt wie eine Unterwasser-Sirene und ist im ganzen Pazifik zu hören. Im Frühjahr und Herbst wird es jeweils stärker, aber im Laufe der Jahre nimmt die Intensität insgesamt ab.

"Upsweep hören"






Forschungs-U-Boot: Nur ein kleiner Ausschnitt der Tiefsee





Quellen:
http://www.wikepedia.org
http://www.mare.de

Inspiration:
"Der Schwarm" (Roman von Frank Schätzing)




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