Ich glaube, es wird noch einige Sprechstunden brauchen, bis all meine Fragen, die sich angesammelt haben, beantwortet werden
myxin
Soweit ich weiß sind die fast alle aktiv, allerdings in ganz unterschiedlich-
en Bereichen.
liliana
Oha, 7001 registrierte User! Wer hätte das damals vermutet! Weiß man auch, wieviel % davon aktiv sind?
Sound-Design Special
Sind die Schauspieler gegangen und liegen ihre eingesprochenen Takes vor, schlägt die große Stunde des Tontechnikers. Ein langer Weg zur fertigen Gabriel Burns-Szene liegt noch vor ihm, ein schöpferischer Prozess, bei dem es gilt, eine realistische, lebendige Klangwelt zu schaffen, in die sich der Hörer gerne fallen lässt. Damit dies gelingt, investiert er gerne schon mal 1 1/2 Arbeitstage für drei Minuten Hörspiel-Atmo.
Regisseur Volker Sassenberg wählt zunächst die geeigneten Sprachtakes aus, die den optimalen Duktus und gewünschten Tonfall für die darzustellende Szene aufweisen. Die Audiospuren enthalten noch viele Störgeräusche, die mit aufgezeichnet wurden, als das Mikrophon "scharf" war. Im Prozess des "Saubermachens" entfernt Tontechniker Marc Sander nun all diese Atmer, Knacker, Regieanweisungen und Kleidungsgeräusche, die bei Gabriel Burns später niemand hören möchte. Ausdauer und Bienenfleißigkeit sind gefragt.
Die einzelnen Takes werden penibel mit dem Manuskript des Hörspiels verglichen. Nach und nach werden Sätze, Halbsätze und einzelne Worte in die richtige Reihefolge gepuzzelt. Dabei ist es insbesondere wichtig, dass ein korrektes Timing erreicht wird und dass Pausen perfekt gelegt sind, denn nur so erzielt die Szene die anvisierte Dynamik.
Die aufgenommenen Sätze werden speziell geformt, so wie sie für den Hörspielplot benötigt werden. Schließlich macht es beim Klang einer Stimme einen immensen Unterschied, ob jemand in einer engen Kammer oder in einem weitläufigen Canyon spricht. Marc Sander gleicht Lautstärken an, fügt Kompressoren zu, variiert Ober- und Mitteltöne, verändert Höhen, mischt Bassfrequenzen und macht bestimmte Pegelspitzen runder und kompakter. Am Ende entsteht eine akustische Räumlichkeit der Stimmen, die absolut authentisch wirkt.
Jede Szene erhält ihre ganz individuell kreierte Atmo. Nie würde man bei Decision Products einfach auf die ähnliche Tonspur einer früheren Produktion zurückgreifen, denn es ist das erklärte Ziel, immer anders zu klingen als zuvor. Liest Mark Sander das Drehbuch, spielt er die Szene zunächst in seinem Kopf durch. Seine Aufgabe ist es, das fiktive Bild in seinem geistigen Ohr intuitiv klanglich umzusetzen. Dem Hörer soll ein akustische Anstoß gegeben werden, der Assoziationen auslöst und die Phantasie anregt. Werden sie treffend eingesetzt, erzielen oft schon unterschwellige Geräusche eine beachtliche Wirkung; besonders bei den unheimlich und geheimnisvoll angelegten Szenen, die Marc Sander besonders am Herzen liegen.
Bei der Atmo-Komposition kommt der Wahl des passenden Sounds eine entscheidende Bedeutung zu. Oft genug setzt sich ein Sound dabei aus einer Vielzahl diverser Einzelgeräusche zusammen. Ein falsch positionierter Effekt oder eine suboptimale Klangcharakteristik kann unter Umständen genau das Gegenteil der gewünschten Wirkung erzielen. Keinesfalls darf er zu einer falschen Interpretation des Hörers führen und vom weiteren Hörspielgeschehen ablenken.
Manchmal profitiert das Hörspiel dem entgegen gerade durch die gewisse Übertriebenheit eines Sounds. Auch das korrekte Verhältnis der Geräusche zueinander ist wichtig. Geräusche wandeln sich je nach Situation. Darauf muss sich der Tontechniker einstellen und entsprechend variieren. Der Klang des Windes, der in Szene 1 noch vor dem Haus blies, muss sich selbstverständlich verändern, wenn er in Szene 2 hinter dem Haus weht.
Decision Products hat in seinem hausinternen Archiv inzwischen viele Tausend Effekte angesammelt, aus denen der Tontechniker schöpfen kann. Doch mit dem komfortablen Angebot dieser Sammlung begnügt man sich nicht, wenn damit der vorschwebende Klang nicht 100%ig erreicht werden kann. Noch immer werden einzelne Geräusche zusätzlich neu aufgenommen, wie z.B. das Werkeln mit Dachziegeln (für Point Whitmark 24) oder das Imitieren des Brenners eines Heißluftballons mittels eines Feuerlöschers (für Point Whitmark 25).
Die vom Tontechniker liebevoll gestaltete Collage aus Sprachtakes, Sounds und Effekten wäre unvollständig ohne Musikuntermalung. Dies ist die Domäne des Regisseurs Volker Sassenberg. Für die Wirkung des Hörspiels ist die für Gabriel Burns eigens mit großem Orchester eingespielte Musik elementar, denn über sie transportieren sich Emotionen. Damit das angestrebte Gefühl zu Ausdruck kommt, werden oft manche Stücke speziell für konkrete Szenen komponiert - ein außerordentlicher Aufwand, wie er selten für Hörspiele betrieben wird, der sich aber - da sind sich bei Decision Products alle Beteiligten einig - am Ende auszahlt und den Charakter der Serie Gabriel Burns ganz entscheidend prägt.